Die Germanen von Piowar (kartoniertes Buch)

ISBN/EAN: 9783956559877
Sprache: Deutsch
Umfang: 432 S.
Format (T/L/B): 2.7 x 21 x 14.8 cm
Auflage: 1. Auflage 2019
Einband: kartoniertes Buch
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Im Jahr 18 unserer Zeitrechnung muss Aldemar in einem kleinen germanischen Dorf die Kriegerweihe abbrechen, weil er fast erstickt wäre. Er ahnt lange nicht, welche Rolle sein Bruder Ekwin dabei gespielt hat. Seit diesem Tag wird er nicht nur von seinem Vater, sondern vom ganzen Dorf verachtet. Weil seine Ehre beschmutzt ist, will er nicht mehr in Piowar leben. Aldemar flieht gemeinsam mit seinen Freunden, die sich ebenfalls nicht von ihren Vätern verstanden fühlen und das Abenteuer suchen. Ihr Ziel ist Rom, weil ein Händler ihnen von dieser Stadt vorgeschwärmt hat. Im von den Römern besetzten Germanien trennen sich die Wege der Freunde. Aldemar erreicht als Einziger Rom und lebt dort über zehn Jahre. In dieser Stadt erlebt er Verrat und Intrigen, aber auch die Freundschaft mit dem jungen Seneca. Doch dann verliebt er sich in eine außergewöhnliche Frau, bis er auch von dort wieder fliehen muss. Zur selben Zeit passieren in dem kleinen Dorf Piowar merkwürdige Dinge. Der Roman folgt weitestgehend den historischen Tatsachen und zeichnet ein interessantes Bild über das Leben der einfachen Menschen im freien Germanien.
geboren am 28.5.1955 in Karow. Sie arbeitete als Krankenschwester, Hebamme und war lange Jahre als Dipl.-Medizinpädagogin und später als Beamtin in Schwerin tätig. Sie lebt mit ihrem Mann in Pinnow. Seit frühester Kindheit interessierte sie sich fürs Schreiben und für Geschichte. Mit dem historischen Roman "Agnodike und das Museion von Alexandria" verwirklichte sie ihren Jugendtraum. Sie hat mehrere Kurzgeschichten veröffentlicht u.a. durch die Teilnahme an einem bundesweiten Literaturwettbewerb. In regelmäßigen Abständen erscheinen Sprüche von ihr im Groh Verlag.
Die Flucht Nach ihrer Flucht aus Piowar brauchten die drei Freunde Wochen, bis sie auf ihrem selbst gebauten Boot über die Warnow das große Wasser, das Aestenmeer, erreichten. Anfangs ging die Fahrt gut voran und die Jungmänner machten Späße über ihr altes Leben und schmiedeten Pläne für ihr neues. Streckenweise ruderten sie, manchmal ließen sie sich einfach von der Strömung treiben. Die Sonne schickte ihre ersten wärmenden Strahlen auf die Erde und die Vögel begannen zu zwitschern. Besonders in der Zeit, wenn der Himmel die Grenzen zur Finsternis durchbrach, erfüllten sie die erwachende Natur mit ihrem Konzert aus vielstimmigen Kehlen. Doch als die Jungmänner immer weiter in unbekannte Gegenden vorstießen, flößte ihnen der hohe Wall aus zartem Frühlingsgrün, das üppig wuchernde Dickicht aus Ästen, Blättern und Ranken Furcht ein. Ein schier undurchdringlich erscheinender Urwald hielt sie in seinen Klauen gefangen. Auch wenn sie es untereinander nicht zugeben wollten, so lauschten sie doch ängstlich den vielen unbekannten Geräuschen, die aus den Tiefen des Waldes zu ihnen drangen, wenn ihre Ruder verstummten. In der Ferne hörten sie Wölfe heulen, die nach dem langen Winter auf Beutezug gingen. Anfangs beobachteten sie voller Neugierde alles, was sie umgab. Aus den Resten eines winterbraunen Uferdickichts ragte ein umgestürzter Baum bis in die Mitte des Flusses. Dort sammelte sich allerhand Treibgut an, welches die Vögel für ihren Nestbau nutzten. Der zahllosen Sümpfe wegen, die sich entlang der Warnow ausdehnten, waren sie zwar vor Angriffen durch wilde Tiere und andere Sippen sicher, fanden aber keine Lagerplätze für die Nacht. Die Fahrt auf diesem Fluss erschien ihnen zunehmend wie eine Reise, die geradewegs in die Heimat der Dämonen und Naturgeister führte. Hörten sie ein lautes Knacken im Unterholz, meinte Roland, der Ängstlichste der drei Jungmänner, dass sich ihnen ein Riese näherte, der sie alle in die Sümpfe stampfen wird. Am schlimmsten war es nachts. Der Verstand sagte ihnen, dass die Finsternis nichts Bedrohliches enthielt, doch gleichzeitig meinten sie, unheimliche Gestalten zu sehen, die sich aus dem Dickicht auf sie stürzten und sie zu verschlingen drohten. Aus dem heimatlichen Dorf zu fliehen war die eine Sache, aber in der Wildnis zu überleben, war etwas ganz anderes. Es war bei weitem nicht so abenteuerlich, wie sie es sich während der langen Zeit des Bootsbaus vorgestellt hatten. Das schöne Wetter hielt nicht lange an, es war umgeschlagen. Als tagelanger Regen ihre Kleidung durchnässte und sie bibbernd ohne Schutz versuchten, das Boot voranzubringen, sehnten sie sich nach einem wärmenden Feuer und einer heißen Suppe. Doch wegen des schilfumsäumten Ufers und der modrigen, von Mückenschwärmen bevölkerten Sümpfe konnten sie nirgends anlegen und ein Feuer entfachen. Der mitgebrachte Proviant neigte sich dem Ende entgegen. Der Regen, der sich zeitweise mit Hagel mischte, setzte ihnen weiterhin zu. Die Stimmung war gedrückt. Rolands Verzweiflung wurde immer schlimmer: "Wenn wir nicht bald einen Rastplatz finden, können wir uns aussuchen, ob wir verhungern oder erfrieren. Eigentlich kann ich auch gleich in die Warnow springen, dann brauche ich mich nicht mehr zu quälen." Aldemar und Gotmar fehlte ebenfalls die Kraft, den Freund zu trösten. Inzwischen waren sie abgestumpft gegen den Hunger, die Kälte und den Urwald, der sie gefangen hielt. Eine dumpfe Trägheit war in ihre Körper gekrochen, nur die Angst breitete sich immer weiter aus, bis jeder Raum gefüllt war. Die Hoffnung verließ sie genauso wie ihre Kräfte. Roland sprach aus, was die beiden anderen inzwischen auch glaubten. Die Bärentatze aus Wolken und die beiden Raben vor ihrer Abfahrt waren Warnungen der Götter gewesen. Isbert hatte vermutlich recht gehabt und gut daran getan, zu Hause zu bleiben. Aber sie in ihrem jugendlichen Größenwahn glaubten ja, dass ihnen nichts etwas anhaben konnte. Doch sie hatten Wodan erzürnt und nun mussten sie für ihren Ungeho