Unser Tipp für Sie
Mora Herngren hat mit „Geschwister“ einen sehr lesenswerten Familienroman geschrieben – sowohl inhaltlich als auch sprachlich. Er erzählt etwa eineinhalb Jahre aus dem Leben dreier erwachsener Geschwister, die sich nach dem plötzlichen Tod des Vaters mit der neuen Situation, auch mit der Mutter, zurechtfinden müssen. Dabei ist jedem Kind (Andrea, Ulrika und Rasmus) ein Kapitel gewidmet.
Aus der jeweiligen Perspektive werden die Ereignisse gepaart mit Kindheitserinnerungen erzählt, erfreulicherweise ohne Redundanz, denn jede Stimme setzt die Prioritäten anders. Wechselnde Zuneigungen, Verletzungen, Rivalitäten, Schuldgefühle, Geheimnisse, Mißverständnisse, Bedürfnisse all das und noch viel mehr kommen zur Sprache. Dabei hat jede Erzählstimme ihre eigene Sicht nicht nur in der Gegenwart, sondern auch in der Erinnerung über die gemeinsame Vergangenheit.
Die objektive Wahrheit über die Kindheit gibt es halt nicht! Flüssig erzählte Darstellung familiärer Dynamiken mit genau der Prise von psychologischen Zwischentönen, die gefällt.
Von Christine Berenbeck
Beschreibung
Nach dem Tod des Vaters treffen sich die drei erwachsenen Geschwister Ulrika, Andrea und Rasmus im Elternhaus, um den Geburtstag ihrer Mutter zu feiern. Alle versuchen, sich in der neuen Situation zurechtzufinden, doch im Spannungsfeld zwischen alten Mustern und der veränderten Familienkonstellation bringen Verletzungen aus der Kindheit die Geschwister an ihre Grenzen. Andrea fühlt sich von der engen Beziehung zwischen ihrer älteren Schwester und ihrer Mutter ausgeschlossen, Ulrika sieht in Andrea nur Papas Liebling, die immer alles bekommen hat, was sie wollte, und Rasmus, der Jüngste, steht schon seit jeher im Schatten seiner Schwestern. Als auffällt, dass einige Gegenstände aus dem Haus verschwunden sind, kommt es zum Eklat, und drei verschiedene Versionen einer gemeinsamen Kindheit prallen aufeinander. Mit messerscharfen Beobachtungen und emotionaler Tiefe erzählt Moa Herngren von der Zerbrechlichkeit familiärer Bindungen und stellt die wichtige Frage: Wem gehört die Wahrheit über die gemeinsame Vergangenheit?
Über Moa Herngren
Moa Herngren, geboren 1969, ist die Autorin der Beziehungsdramen Scheidung , Schwiegermutter und Geschwister . Sie ist Journalistin, ehemalige Chefredakteurin der Zeitschrift Elle sowie CoAutorin der NetflixHitserie Bonus Family . Bei Kein & Aber erscheinen die schwedischen Bestseller erstmals in deutscher Übersetzung. Katharina Martl, geboren 1987, übersetzt aus dem Englischen und den festlandskandinavischen Sprachen und hat Autoren wie Susan Choi, Sanam Mahloudji und Ingeborg Arvola ins Deutsche übertragen. 2023 hatte sie eine Gastdozentur für Literarische Übersetzung am Münchner Institut für Nordische Philologie inne. Zuletzt wurde sie mit dem Bayerischen Kunstförderpreis in der Sparte Literatur und dem Literaturstipendium der Landeshauptstadt München ausgezeichnet.