„Geschwister“ von Moa Herngren
Mora Herngren hat mit „Geschwister“ einen sehr lesenswerten Familienroman geschrieben – sowohl inhaltlich als auch sprachlich. Er erzählt etwa eineinhalb Jahre aus dem Leben dreier erwachsener Geschwister, die sich nach dem plötzlichen Tod des Vaters mit der neuen Situation, auch mit der Mutter, zurechtfinden müssen. Dabei ist jedem Kind (Andrea, Ulrika und Rasmus) ein Kapitel gewidmet.
Aus der jeweiligen Perspektive werden die Ereignisse gepaart mit Kindheitserinnerungen erzählt, erfreulicherweise ohne Redundanz, denn jede Stimme setzt die Prioritäten anders. Wechselnde Zuneigungen, Verletzungen, Rivalitäten, Schuldgefühle, Geheimnisse, Mißverständnisse, Bedürfnisse all das und noch viel mehr kommen zur Sprache. Dabei hat jede Erzählstimme ihre eigene Sicht nicht nur in der Gegenwart, sondern auch in der Erinnerung über die gemeinsame Vergangenheit.
Die objektive Wahrheit über die Kindheit gibt es halt nicht! Flüssig erzählte Darstellung familiärer Dynamiken mit genau der Prise von psychologischen Zwischentönen, die gefällt.
Von Christine Berenbeck