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Predigt über Hebräer 13,12-14 am Sonntag Judika 29.03.2020
(5. So. der Passionszeit)
Dekan Ernst-Wilhelm Gohl

Hebräer 13,12-14:
Darum hat auch Jesus, damit er das Volk heilige durch sein eigenes Blut, gelitten draußen vor dem Tor. So lasst uns nun zu ihm hinausgehen vor das Lager und seine Schmach tragen. Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.

Liebe Leserin, lieber Leser,
das Leben in unserer Stadt hat sich in wenigen Tagen komplett verändert. Wer seine Wohnung verlassen will, braucht einen triftigen Grund. Nur noch zwei Personen dürfen im öffentlichen Raum miteinander unterwegs sein. Die meisten Läden haben geschlossen. Und die, die offen haben, haben Markierungen auf dem Boden, damit der Sicherheitsabstand eingehalten wird. Die Fußgängerzone ist wie ausgestorben. Gaststätten, die Kinos, das Theater die Clubs – alles ist zu. Plötzlich ist es seltsam still in unserer Stadt. Vertrautes fehlt. „Wir haben hier keine bleibende Stadt.“ Wenn die Alltagsroutine plötzlich unterbrochen ist, wird uns bewusst, wie wenig wir wirklich in der Hand haben. Alles ist viel zerbrechlicher als wir im Alltagstrubel meinen. Und auch das Leben ist kein Dauerzustand. Kein Mensch besitzt auf dieser Welt dauerndes Bleiberecht.

Mit dem heutigen Sonntag beginnt die Passionszeit im engeren Sinne. In einer Woche beginnt die Karwoche. Damit kommt alles in Blick, was Leben zerstört. Das Entscheidende und das, was uns Angst macht, geschieht aber nicht in der Stadt, sondern draußen vor den Toren. Da ist es gut, drinnen zu bleiben, im Schutz der Mauern.

„Draußen vor der Tür“ heißt ein Drama von Wolfgang Borchert. Kurz nach dem Krieg hat er es geschrieben. Ein junger Soldat kommt nach Hause. Doch die Heimat ist ihm fremd. Nichts ist mehr, wie es war. Auch er ist nicht mehr der, der er einmal war. So viel Schreckliches hat er gesehen und erlebt. Er ist sich selbst fremd geworden. Als Fremder lebt er unter Fremden. Das Neue hat noch keine Gestalt. Niemand weiß, wohin es sich entwickelt.

Draußen vor der Tür sind wir in diesen Tagen gefährdet. Deshalb bleiben wir Zuhause und feiern Gottesdienst in der Wohnung und nicht in der Kirche.

Draußen vor der Tür sind wir in diesen Tagen ziemlich allein – und drinnen vielleicht auch.
Und die Bilder aus Italien oder Spanien, aus den Flüchtlingslagern in Griechenland kommen von draußen in unsere Wohnzimmer und in unsere Köpfe.

Der Prozess gegen Jesus findet in Jerusalem statt. Dort residieren die geistlichen und weltlichen Autoritäten. In der Stadt wird das Todesurteil gefällt. Vollstreckt wird es aber draußen – vor ihren Toren. Der Tod hat in der Stadt nichts zu suchen. Er stört. Stadt steht für Leben, für Freude, für Kultur.

Ganz anders der Ort vor dem Stadttor. Er ist kein schöner Ort. Die Abgeurteilten führt man dorthin und bringt sie um. Draußen vor dem Tor verrichten die Henker ihr blutiges Handwerk. Dort wird geschrien, geweint, gestorben. Draußen vor dem Tor stirbt Jesus – auf Golgatha.

Wäre es dabei geblieben, der Name Jesu wäre schnell vergessen worden. Ein Namensloser unter den vielen, vielen tausend, die die Römer ans Kreuz geschlagen haben. Doch draußen vor den Toren Jerusalems kehren sich die Verhältnisse um. Der Tod ist nicht das Ende. Der Ostermorgen steht für einen neuen Anfang, einen Aufbruch in neues Leben.

Deshalb fordert der Hebräerbrief die Christen auf, hinauszugehen vor die Tore der Stadt: Bildet keine frommen Zirkel! Schottet Euch nicht ab! Jesus ist Euer Vorbild. Er ist raus gegangen zu denen, die Hilfe brauchten. Er ging zu denen, die in der Gesellschaft nichts galten – zu denen, an den „Hecken und Zäunen“ (Lukas 14,23).

Nun sollen wir in diesen Tagen ja gerade nicht rausgehen – aus Rücksicht und Solidarität mit den Gefährdeten. Dennoch ist es wichtig, dass wir all die draußen nicht vergessen, weder die in der Nähe noch die in der Ferne. Wir denken an sie. Wir beten für sie. Wir spenden für sie. Und wir erleben eine Welle der Hilfsbereitschaft. Vom Angebot zum Einkaufen, über Geschenkzäune, an denen Beutel mit Nahrungsmittel hängen, bis hin zum Angebot, Geflüchtete aus den überfüllten Lagern Griechenlands bei uns aufzunehmen.

Der Aufruf hinauszugehen, richtet sich an Menschen mit „müden Händen und wankenden Knien (Hebr 12,12). Er richtet sich nicht an die, die auf alle Fragen schon die richtige Antwort haben. Es werden die angesprochen, deren Herz eben nicht „fest“ ist (Hebr 13,9). Die, die selbst etwas von draußen spüren und die Angst kennen. Denn wir sind unterwegs, drinnen und draußen – so sehr wir uns auch gemütlich eingerichtet haben in unseren Städten, in unseren Wohnungen, in unseren Familien und Routinen.

Wenn ich von drinnen durch Fenster nach draußen schaue, sehe ich, wie der Baum vor unserem Haus blüht, und die Narzissen gelb leuchten. Hoffnung keimt auf.

Trotz Corona haben wir haben genügend zu essen – auch Dank der Verkäuferinnen und Verkäufer. Draußen sind viele Menschen, die sich um uns kümmern, die dafür sorgen, dass die Briefe zugestellt und die Mülleimer geleert werden. Dass wir Strom, Wasser und eine warme Wohnung haben. Männer und Frauen, die in den Kliniken, Altenheimen und Apotheken arbeiten. Draußen sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unserer Diakoniestationen und anderer ambulanter Dienste, die nach wie vor in die Häuser gehen und Kranke pflegen. Draußen sind Menschen, die mit und für uns beten.

Ja, draußen vor dem Tor, keimt Hoffnung auf. Sie kommt zu uns nach drinnen.
Drinnen und draußen vermischen sich. So wie wir es in diesen Tagen erleben: Wir sind füreinander da, auch wenn wir räumlich getrennt sind: „Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir“. Wer sucht, hat Hoffnung, Hoffnung auf Gottes zukünftige Stadt, in der alle Grenzen überwunden sind. Diese Hoffnung schenkt Mut – jeden Tag neu. Amen

 

 

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