"Die Gabe des Regens" von Tan Twang Eng

Dem hervorragenden malaysischen Autor Tan Twang Eng („Das Haus der Türen“) kommt unter anderem das Verdienst zu, die geschichtsträchtige malaiische Insel Penang, seine Heimat, ganz zu Recht auf die literarische Weltbühne gehoben zu haben. Hierzulande war Eng bis vor kurzem nahezu unbekannt. Nun ist ein zweites (über 20 Jahre altes) Buch mit dem Schauplatz und Melting Pot Penang in den Wirren des zweiten Weltkriegs auf Deutsch erschienen: „Die Gabe des Regens“.
Der stolze 608 Seiten umfassende historische Roman befasst sich mit dem Schicksal des zu Beginn des Buches – 1939 – 16jährigen Philip Hutton. Der etwas einsame junge Mann, Sohn eines britischen Inselmagnaten, ist allein schon qua Abstammung zwischen den Werten des im Niedergang begriffenen Empire und dem chinesischen Teil seiner Familie hin- und hergerissen. Dazu kommt seine sehr intensive Beziehung zum japanischen Diplomaten und Sensei Hayato Endo, der den für Neues fast naiv empfänglichen Jungen Kampf- und Lebenskunst lehrt.
Dass irgendetwas mit dem charismatischen Hayato gefährlich nicht stimmt, stellt sich heraus, als die brutale japanische Kriegmaschinerie nach Teilen Chinas auch ganz Malaysia überrollt. Der zweite Weltkrieg ist mit voller Wucht auf der idyllischen Vielvölkerinsel Penang angekommen…
„Die Gabe des Regens“ ist glänzend erzählte Geschichte aus einem versteckten Winkel Südostasiens heraus und zugleich opulente Schilderung weltverändernder Historie im Brennglas. Der auf Englisch schreibende Tan Twang Eng wird mit einem seiner noch folgenden Werke hoffentlich irgendwann den Booker Prize gewinnen, dann mehr als vollkommen verdient.
Sebastian Lehmann


Kategorie