"Tokyo Girls Club" von Asako Yuzuki

Japan ist ein gutes Beispiel dafür, dass allgemeiner Wohlstand, ein überwiegend regelbasiertes Alltags- und Familienleben, gefestigte Traditionen und ethnische wie kulturelle Homogenität Gesellschaft und Menschen nicht vor Neurosen zu schützen vermögen. Ganz im Gegenteil, und das wird literarisch auch zunehmend beachtet.
Asako Yuzuki („Butter“) lässt in ihrem neuen Roman„Tokyo Girls Club“ zwei an sich sehr unterschiedliche junge Frauen aufeinandertreffen, die eins eint: die jeweilige Entfremdung von der eigenen Familie, Einsamkeit und die Sehnsucht nach Nähe.
Shoko hat keinen Beruf, ist ein so genanntes tradwife, gleichzeitig aber eine erfolgreiche Hausfrauen-Bloggerin. Die ehrgeizige Eriko achtet sehr auf ihre Karriere bei einem Fisch-Importeur. Hier könnte eine wunderbare Freundschaft entstehen – wenn Eriko und Shoko denn in der Lage wären, nicht nur die eigenen Befindlichkeiten zu sehen…
In den letzten Jahren sind einige hervorragende Romane von Japanern oder Landeskennern über die japanische Gesellschaft und Alltagskultur erschienen. Asako Yuzuki setzt diesen literarischen Trend mit ihrem sehr lesenswerten Roman voller ungeschminkter Einsichten und einer klaren, einfachen Sprache nahtlos fort.
Sebastian Lehmann


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