"Der unaufhaltsame Aufstieg des Ministers Karsten Richter" von Wolfgang Schorlau
Wolfgang Schorlau, bekannt vor allem über seine (auch verfilmten) Krimis rund um den Ermittler Georg Dengler, zuletzt „Black Forest“, ist pünktlich zum deutschen Superwahljahr 2026 mit der Satire „Der unaufhaltsame Aufstieg des Ministers Karsten Richter“ – ein Schelm, wer Böses dabei denkt – einmal mehr literarisch in die Politik gegangen. Und das Ergebnis kann sich lesen lassen.
Schorlau hat hier, offenbar in Rekordzeit geschrieben, ein höchst gegenwärtiges Buch über Regieren und Regierungen in Deutschland vorgelegt. Karsten Richter, ein Gas-Manager, will unbedingt Minister, gar Kanzler werden. Für ein Spitzenamt würde Richter vielleicht nicht gerade gern über Leichen gehen, aber doch seine Mutter… Lesen Sie das alles besser selbst.
Der routinierte Autor Schorlau schreibt hier nicht nur eine höchst unterhaltsame Polit- und Gesellschaftssatire auf. Er hat sich zugleich offenbar auch sehr ernsthaft mit deutscher Politik der letzten zwanzig Jahre und bis heute beschäftigt.
Neben der gekonnten Schilderung der ganzen lustigen Begebenheiten rund um den abgezockten Politiker Richter findet Schorlau noch Platz dafür, mit ein paar Bildungslücken hinsichtlich jüngerer deutscher Wirtschaftshistorie beim Leser aufzuräumen. In ein paar Nebensätzen erläutert er etwa, warum die einst blühende deutsche Solarindustrie damals plötzlich am Ende war. Und was das mit der Gas-Lobby zu tun hatte – und bis heute zu tun hat. Und schon sind wir wieder mitten im unaufhaltsamen Aufstieg des Ministers Karsten Richter, Deutschland 2026. Sehr schön, sehr treffend, genau zur richtigen Zeit.
Sebastian Lehmann